Amy muss mit zur Kur – eine Geschichte über „Was wäre, wenn…“

Seit einiger Zeit plagen mich, Amys „Mama“, ganz schöne Rückenprobleme. Augenblicklich kommt man sich wie eine uralte Frau vor. Das bringt das Alter so mit sich, und natürlich der mangelnde Sport. Ich bin deswegen sogar krankgeschrieben worden. Wahrscheinlich kann ich noch froh und dankbar sein, dass es mich erst mit Ende 40 ereilt, da ist mancher Leidensgenosse schon viel früher dran.
Fakt ist jedoch, dass das nicht so bleiben kann. Da muss frau etwas machen. Nun besteht ja glücklicherweise in unserem schönen Land die Möglichkeit, zu einer Kur zu fahren, um sich zu kurieren, was in meinem Fall eine Premiere wäre. Schließlich muss man fit und damit für die Arbeit erhalten bleiben, denn wenn das so weitergeht, wird uns entweder das Sterben unter Strafe verboten werden oder wir müssen wenigstens selbständig in die Kiste fallen… und damit das möglich wird, heißt das Zauberwort: Kur. Aber was geschieht mit meiner Amy? Sie hat jetzt gerade erst eine große Operation hinter sich und musste sich in der Tierklinik über Nacht mit ganz ungewöhnlichen Gerüchen von anderen Katzen und – als ob das nicht schlimm genug wäre – mit Hunden herumplagen. Zu allem Überfluss wurden ihr eine Halskrause verpasst und viele scheußlich schmeckende Medikamente verabreicht. Das alles fand mein Stubentiger verständlicherweise nicht gerade zum Brüllen. Genauso wenig wie die Tatsache, DREI (!!) Wochen ohne Mama auszukommen. Hier stellt sich die berechtigte Frage, für wen Susanns Wegbleiben schlimmer wäre: für die Diva Amy oder doch für deren Betreuer?
Da dies offensichtlich eine allseits unzumutbare Belastung für alle Beteiligten zu werden scheint, muss Amy mit zur Kur – entweder auf illegalem Weg als blinder Passagier – oder es gibt ein Novum: eine Menschen-Katzen-Kur. Dabei versteht es sich doch wohl von selbst, dass ich als quasi Erziehungsberechtigte für die Miezekatze eben diese nicht mutterseelenallein zu Hause lassen kann, obgleich ich an ihrer Betreuung im Urlaubsfall rein gar nichts aussetzen kann. Es fehlt Amy an nichts, höchstens an mir und das reicht schon, um beschwerdeführend die Betreuerin, die wohlwollend zur täglichen Fütterung erscheint, zu empfangen.
Und so trug es sich zu, dass meine etwas beleibte Amy, die ihrerseits also auch eine kurative Betreuung bitter nötig hat, und ich gemeinsam zur Kur nach Bad Katzenhausen in den Ortsteil Mausig fuhren, wo wir in einem wunderschönen neuen Haus untergebracht sind. Nun bekommt ja jeder die Behandlung, die er gerade benötigt. Während Amy mit verleierten Augen und grimmigem Blick der Worte der Ernährungsberaterin lauschen muss – und sich gewiss fragt, warum ausgerechnet Katzen so gut hören müssen -, lasse ich mich von den gnadenlosen Physiotherapeuten, oder auch „fiese Therapeuten“ genannt, meinen armen Rücken malträtieren. Amys Schnurren entfällt in dieser Zeit komplett und wird in Murren und Knurren getauscht, was bereits beim Anblick der diätetischen Maßnahmen am Büfett nicht verwunderlich ist. Von Genuss kann also keine Rede sein – und so stellt sich zu jeder Mahlzeit wieder die Frage: Augen zu, Mäulchen auf und einfach runterschlucken oder den geordneten Rückzug antreten? Auf diese Weise kann man auch abnehmen. Nur der Erfolg zählt… all diese Bemühungen seien nur zu unserem Besten, sagen unsere Betreuer. Seufzend muss ich feststellen: sicher haben sie recht damit.

Irgendwann ist aber auch diese Zeit vorbei und wir treten die Heimreise an – und ich stelle mir die Frage, ob all das Gelernte auch zu Hause seine Fortsetzung findet. Das bleibt abzuwarten… jetzt fahren wir erst mal gemütlich gen Heimat.

 

 

 

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